Kirchenkreis

Allianzgebetswoche in Halver – „Raus aus der Blase – Rein ins Gespräch“

28.1.2026

In Interviewform führte Pfarrer Martin Pogorzelski (l.) im Gespräch mit Referent Michael Klitze in den Abend ein (Foto: Salzmann)

Von Monika Salzmann

 

HALVER + Die Allianzgebetswoche der Evangelischen Allianz, die eine lange Tradition hat und weltweit gefeiert wird, ist auch immer ein fester Bestandteil in Halver. Vom 11. bis 16. Januar waren Gläubige eingeladen, miteinander zu beten und ins Gespräch zu kommen. „Raus aus der Blase – Rein ins Gespräch“ lautet das Motto, das über den Veranstaltungen in Halver stand.

 

Nach den seelsorgerlichen Themen des Vorjahres ging es in diesem Jahr stärker um gesellschaftliche Themen und die Frage, wie Gemeinden mit gesellschaftlichen Strömungen umgehen können und sollen. Federführend für die Organisation zeichnet Pfarrer Martin Pogorzelski, von der Ev. Kirchengemeinde Halver, verantwortlich.

 

Der Auftakt-Gottesdienst der Gebetswoche fand am Sonntag, 11. Januar, um 10.30 Uhr in der Nicolai-Kirche statt. Verbunden war der Gottesdienst mit einer Medienausstellung, die vom Referenten organisiert worden war. Denn in diesem Jahr war Michael Klitzke von der Stiftung Marburger Medien zu Gast, der in seiner Arbeit christliche Gemeinden und Organisationen beim Einsatz von Literatur berät und unterstützt. Der gebürtige Lüdenscheider, der für fünf Großevangelisationen und eine Reihe weiterer Evangelisationsveranstaltungen verantwortlich zeichnete, ist Gebietsleiter der Stiftung in NRW. Einige Jahre gehörte er dem Vorstand des CVJM Lüdenscheid-West an und war später Vorstandsmitglied des Verbandes „Christen in der Wirtschaft“. Sein Hauptanliegen ist es, Gemeinden dabei zu helfen, den christlichen Glauben im Alltag sichtbar zu machen.

 

„Wir sind als Christen aufgerufen, Brücken zu bauen.“ Anhand von Sinus-Modellen, die Menschen mit ähnlichen Werten und einer vergleichbaren sozialen Lage – ohne Wertung – in Gruppen einteilen, befasste sich Michael Klitzke dann am Montagabend im Rahmen der Allianzgebetswoche mit dem Thema „Wie ticken die anderen? – Menschen verstehen, Milieus entdecken.“

 

Trotz des Schmuddelwetters und stellenweise Glätte auf den Gehwegen war der erste Themen- und Gebetsabend der Gebetswoche, zu der Pfarrer Martin Pogorzelski die Gläubigen in der Nicolai-Kirche willkommen hieß, sehr gut besucht. Sehr zur Freude der Organisatoren, denn auch schon am Tag zuvor waren sehr viele Gläubige zum Gottesdienst gekommen und hatten für ein volles Gotteshaus gesorgt. Parallel zu Michael Klitzkes Ausführungen über das traditionelle, bürgerliche oder konservativ-gehobene Milieu beziehungsweise die adaptiv-pragmatische Mitte, der sich Menschen zuordnen lassen, erfuhren die Besucher Wissenswertes über die Arbeit der Stiftung Marburger Medien, die für unterschiedliche Zielgruppen, Gelegenheiten und Anlässe Karten, Flyer, Hefte und Magazine, Bücher, Kalender, Plakate und Banner sowie digitale Medien erarbeitet. „Es geht um die Mitte“, erläuterte der Referent. Extreme Positionen stünden nicht im Fokus. Von einer dreifachen Ja-Kette – zum Produkt, zum Empfänger und der Frage, ob sich der Empfänger mit dem Produkt beschäftigt – war die Rede. „Das ist die Herausforderung, wenn wir Medien entwickeln.“

 

In welchem Maße Sinus-Modelle auf die Arbeit der Stiftung Marburger Medien Einfluss nehmen, zeigte Klitzke anhand von Beispielen auf. Die Unterschiedlichkeit der Zielgruppen erkläre die Unterschiedlichkeit der Medien. Insbesondere auf die adaptiv-pragmatische Mitte, die zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung ausmacht, ging er ein. Darunter zu verstehen seien „Menschen, die in der Rush-Hour des Lebens drin sind“. Die adaptiv-pragmatische Mitte bringe Beruf, Freizeit, Kindererziehung, Work-Life-Balance und mehr unter einen Hut. Die große Frage dieser Zielgruppe sei: Welchen Nutzen bringt mir das? Antworten, die Kirche geben sollte, müssten sich daran messen lassen. Für positive Impulse, etwa Kraft für den Alltag, das Pilgern und Entdecken, Inspiration durch Zeugnisse oder ganzheitliches Wohlbefinden sei die Gruppe empfänglich. Die Sprache dürfe dabei nicht altbacken, sondern müsse sachlich-pragmatisch sein. Alle Interna von Kirche, das sei bei Gesprächen zu berücksichtigen, würden diese Gruppe nicht interessieren. Über das alle Milieus Verbindende – darunter Krisen, Trauer und Anteilnahme - kamen die Besucher anschließend ins Gespräch. Eingebettet war der Abend in Gesang und Gebet. Mit Liedern wie „Wir gehören zusammen“ oder „Bei dir bin ich zu Hause“ umrahmte ein Musikkreis der evangelischen Gemeinde den Abend stimmungsvoll.

 

Im Rahmen der Allianzgebetswoche folgte dann am 13. Januar, ein Themen- und Gebetsabend in der FeG Bever. „Reden über den Glauben – so wird’s leichter“ lautete das Motto der Veranstaltung mit dem Referenten. In der FeG Halver fand am darauffolgenden Mittwoch, 14. Januar, der nächste Themen- und Gebetsabend mit Michael Klitzke statt. „Zwischen Blase und Brücke – was Menschen heute trennt und verbindet“ war das Thema. Der CVJM Halver war dann Gastgeber des Gemeinschaftsabends am Donnerstag, 15. Januar. Zum Thema „zu Tisch und Gebet“ trafen sich die Gläubige ab 19.30 Uhr.

 

Mit einem Jugendallianzabend in der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Bever fand die diesjährige Allianzgebetswoche in Halver am Freitag ihren Abschluss. Rund 50 Jugendliche aus der evangelischen Gemeinde, dem CVJM und den Freien evangelischen Gemeinden Halver und Bever versammelten sich zu Lobpreis, Gebet und Verkündigung. Die Predigt übernahm Samuel Kasemann, der zusammen mit Jugendreferentin Svenja Höngen, Fabian Kißing, Finn Goerke und Rebecca Tacke das Orga-Team der Veranstaltung bildete.

 

Mit der Bibelstelle Johannes 13, 31 bis 35 und dem Kontext, in dem die Worte Jesu stehen, befasste sich Samuel Kasemann in seinen Ausführungen. „Gott ist treu“ lautete die Überschrift seiner Predigt. Von der bedingungslosen Liebe Gottes war darin die Rede. Passage für Passage des neutestamentlichen Textes, in dem Jesus seinen Abschied ankündigt und seinen Jüngern das Gebot der Nächstenliebe ans Herz legt, legte der 25-Jährige den Jugendlichen aus. Auf den Verrat des Judas und den des Petrus – der eine als Verräter gebrandmarkt, der andere das erste Oberhaupt der christlichen Gemeinde in Rom und Vorgänger des Papstes – und den Unterschied zwischen beiden ging er ein. Nur Petrus sei zurückgekommen und habe geglaubt, dass Jesus ihn angenommen hat. „Gott lädt immer ein“, betonte Samuel Kasemann. „Er zahlt für alles, was im Leben falsch gelaufen ist.“ Mit den Worten: „Ihr wisst alles, was ihr wissen müsst“, ermunterte er die Jugendlichen, die Einladung Gottes anzunehmen und Nächstenliebe zu üben.

 

Eingebettet war die Predigt in Lobpreis und Gebet. Eine Lobpreisband aus Reihen der beteiligten Gemeinden – bestehend aus Timo Pulvermacher (Piano und Gesang), Florian Salnikow (E-Gitarre und Leitung), Luisa Schönrath (Gesang), Julia Gornik (Gesang), Johannes Klundt (Schlagzeug) und Timo Schönrath (Gitarre) – stimmte andächtige, innige Glaubens- und Anbetungslieder an. Durch den Abend führten die beiden Moderatorinnen Laura und Anna, die mit einem heiteren Quiz den Einstieg in die Veranstaltung erleichterten. Um sich besser kennenlernen zu können und gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen, war für ein großes Mitbring-Büfett, Getränke, Gesellschaftsspiele, Kicker und mehr gesorgt. Ende offen hieß es zum Abschluss des Jugendallianzabends.

Bildimpressionen der Allianzgebetswoche in Halver (alle Fotos: Salzmann)