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Kirchenkreis
Mit Zusammenhalt als Haltung „leben wir der Stadt Bestes“
27.1.2026

Von Bettina Görlitzer
LÜDENSCHEID + „Gott ist treu“: Dieses Motto für den gesamten deutschssprachigen Raum prägte auch in Lüdenscheid die Veranstaltungen der diesjährigen Allianzgebetswoche, vor allem in den Predigten zum traditionellen Kanzeltausch zum Auftakt. Acht Gemeinden mit zehn Predigtstätten und Predigern beteiligten sich daran. Der Untertitel zu diesem Tag, „Fundament unseres Glaubens“, spielte dabei ebenfalls eine große Rolle. Warum das Leben „ein festes Fundament“ haben sollte und wie der Glaube an Gott dies sein könne, stellte nicht nur Bärbel Wilde, Pfarrerin i.R., in den Fokus ihrer Ausführungen als Gast in der Kreuzkirche. Gemäß ihrer Überzeugung sprach sie von der Hoffnung und Zuversicht, die Menschen auch in schwierigen Zeiten aus ihrem Glauben ziehen könnten. Sie zitierte „Wer an Jesus glaubt, hat nichts zu verlieren. Wer aber nicht an Jesus glaubt, hat nichts zu hoffen.“
Rainer Gremmels, Pfarrer der Christuskirche, wiederum predigte in der Freien evangelischen Gemeinde an der Börsenstraße. Dort stellte er sich zunächst den Interviewfragen von Stefan Busenius und bot einen Einblick in persönliche Schwerpunkte seines Glaubens und die Art und Weise, wie seine Predigten entstehen. In seiner Predigt betonte Gremmels, dass Glaube aus seiner Sicht ohne die Treue Gottes gar nicht möglich wäre. Denn Treue sei die Grundlage, damit Vertrauen wachsen könne, sie bedeute Verlässlichkeit – in einer Partnerschaft genauso wie in der Beziehung zu Gott. Auch er ging darauf ein, dass ein Fundament im Glauben den Menschen in schwierigen Zeiten „Widerstandskraft und Resilienz geben“ könne. In der Markuskirche predigte Olaf Westmeier aus der FeG nicht nur, sondern gestaltete den Gottesdienst mit seiner Band auch musikalisch.
Besonders in Lüdenscheid ist seit vielen Jahren der überkonfessionelle Gebetsabend für die Stadt im Rathausfoyer. Dieser steht nicht nur für den Zusammenhalt der Christen in Lüdenscheid, sondern auch für deren Engagement für die Stadt als Ganzes. Der geistliche Impuls kam diesmal von Pater Tadeusz Wdowczyk von der katholischen Pfarrei St. Medardus. Auch er ging auf das Motto der Allianzgebetswoche ein und sprach darüber, was Gottes Treue zu den Menschen bedeutet. Wie ein kleines Kind, das sich auf seine Eltern verlassen könne, wenn es einmal hinfällt, könnten Christen sich jeden Tag neu auf Gottes Barmherzigkeit verlassen, denn „wir alle kennen diese Momente des Fallens“, wenn man Dinge tue, von denen man wisse, dass sie nicht richtig seien.
Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer griff dagegen die Überschrift auf, die traditionell über diesem Abend steht: „Suchet der Stadt Bestes“. Er präsentierte die Stärken Lüdenscheids und rückte besonders Dankbarkeit und Zusammenhalt in den Mittelpunkt. „Ich bin überzeugt: Unsere Stadt hat mehr Kraft als wir manchmal glauben. Mehr Herz, als es Schlagzeilen vermuten lassen. Mehr Zukunft als uns Sorgen einreden wollen.“ Angesichts schwieriger Zeiten appellierte er, „nicht nur auf das zu schauen, was fehlt, sondern auf das, was möglich ist.“ Wagemeyer machte Mut: „Dankbarkeit ist kein Wegsehen vor Problemen. Sie erinnert uns daran, was da ist und was wir gemeinsam schützen können.“ Zusammenhalt als gelebte Haltung sei eine bewusste Entscheidung, um nicht nur „Probleme zu verwalten, sondern Zukunft zu gestalten – mit Maß, mit Verantwortung und mit Menschlichkeit. Und wenn wir das tun, dass suchen wir nicht nur der Stadt Bestes. Dann leben wir es.“
Beispiele für Zusammenhalt in de Lüdenscheid gab es in den Interviews, die die Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Lüdenscheid, Irmtraut Huneke, führte. Ihre Gesprächspartner waren Damaris Seidel von der „Guten Stube“, dem offenen Treffpunkt an der Hochstraße, und Mona Sternberg, Mitarbeiterin der CVJM-Jugendfreizeitstätte „Audrey’s“, deren Räume im September 2024 durch einen Großbrand zerstört wurden. Sie könne immer noch nicht sagen, wann das Gebäude am Wehberg wieder soweit hergestellt ist, dass regelmäßige Öffnungszeiten angeboten werden können. Nach wie vor hänge vieles an der Versicherung. Dennoch gehe es weiter, zum Beispiel mit dem Mädchentreff, der sich zurzeit in der Markuskirche trifft, oder dem Programm „Audrey’s mobil“, dem Wohnwagen, der als vorläufige Jugendfreizeitstätte dient. Auch das lebe von Zusammenhalt – unter den Kindern und Jugendlichen, den Mitarbeitern und im Stadtteil. Besonders freue es sie, dass „unsere Ehrenamtlichen uns die Treue halten“, sagte Mona Sternberg.
Auch in der „Guten Stube“, gehe es darum, füreinander da zu sein. Damaris Seidel erzählte von ihrer Idee, als Christin in der Stadt einen Treffpunkt zu haben, wo man „einfach hingehen, eine Tasse Kaffee trinken und quatschen kann.“ Als sie eigentlich eine Wohnung besichtigen wollte, sah sie das leere Ladenlokal der ehemaligen christlichen Buchhandlung Stier. Und so wurde nicht nur die Wohnung gemietet, berichtete sie. Inzwischen gibt es die „gute Stube“ seit elf Jahren und auch dort helfen viele Ehrenamtliche, um Angebote für verschiedene Zielgruppen machen zu können. Vermieterin Silvia Stier hatte am Mittwoch die Aufgabe, das Gebet für die „Gute Stube“ zu sprechen, versäumte aber nicht, zu erzählen, wie Damaris Seidel sie seinerzeit mit ihrer Idee überrumpelte: „wir nehmen die Wohnung, aber nur, wenn wir den Laden auch bekommen“, habe sie gesagt.
Bis zum Abschlussgottesdienst, der traditionell in der Christuskirche, der größten Kirche Lüdenscheids, stattfand, und für den etliche evangelische und freikirchliche Gemeinden auf eigene Sonntagsgottesdienste verzichten, fanden in Lüdenscheid während der Allianzgebetswoche täglich Veranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dazu zählten zum Beispiel ein musikalischer Lobpreisabend mit Bernd und Kristin Hartmannsberger in der FeG, ein ebenfalls mit viel Musik gestalteter Gebetsnachmittag für Senioren mit Irmtraut Huneke und Popkantorin Nicole Trester-Chmiel und ein Gebetsabend mit Sigrun Lemke und Team in der Aula der Freien Christlichen Schule am Schäferland. Die Christlichen Gemeinde Eduardstraße lud traditionell zum Gebet für Verfolgte Christen ein, bei dem ein Vertreter von Open Doors über die Situation von Christen in der Welt berichtete. Die gute Stube beteiligte sich mit einem Familiennachmittag mit anschließendem Abendessen. Gemeindepädagogin Isabelle Wagner gestaltete einen Gebetsabend für Jugendliche in der Markuskirche.
Für Irmtraut Huneke ist auch das Gebetsfrühstück sei fast 30 Jahre immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis, da Menschen dort ganz persönlich aus ihrem Glauben erzählen. Diesmal interviewte sie das Ehepaar Annika und Michael Kögler. Inhaltlich mitgestaltet wurde der Vormittag von Bernd Hartmannsberger und Reiner Freudenreich.
Gastprediger zum Abschluss in der Christuskirche war diesmal ein Manager: Ralf Juhre, Geschäftsführer einer international tätigen Trainings- und Beratungsfirma und Autor mehrerer Bücher über Führung und Management unter dem Aspekt christlicher Werte. In seinen Ausführungen zeigte sich, dass Kirche und Glauben durchaus etwas mit Marketing zu tun haben können. Denn es ging um den „Unique Selling Point (USP) – im Marketingjargon das Alleinstellungsmerkmal - des christlichen Glaubens. Juhre ging der Frage nach, welche Folgen es hat, dass Deutschland zunehmend atheistischer werde, während weltweit Religionsgemeinschaften einen großen Zulauf verzeichneten. Trotz der Tatsache, dass Kirchen „ja auch Dreck am Stecken“ hätten, sieht Juhre in dieser Abkehr vom Glauben eine Gefahr für den Zusammenhalt in einer „postchristlichen“, säkularisierten Gesellschaft. Denn „das zentrale Problem der Säkularisierung ist die Abkehr vom Heiligen“, meint er. Nach dem Prinzip der Trennung von Sache, beziehungsweise Sünde, und Person sei jeder Mensch laut Bibel ein Gedanke Gottes und bleibe von ihm bedingungslos geliebt, selbst dann noch, wenn er etwas tue, was nicht gut sei. „Dies ist der Unique Selling Point des christlichen Glaubens und die höchste Form der Anerkennung der Menschenwürde.“ Daraus folgert Juhre, dass Atheismus fast immer bedeute, die Menschenwürde zu relativieren, weil die Trennung von Sache und Person aufgegeben werde. „Säkularisierung führt also dazu, Menschen nur dann zu lieben, wenn sie sich richtig im Sinne des säkularen Mainstreams verhalten.“ Fehler und Fehlverhalten führten so unweigerlich zu Ausgrenzung.
Irmtraut Huneke freute sich einmal mehr über den guten Zuspruch bei allen Veranstaltungen und die Position, die die Christen in Lüdenscheid damit bezogen haben. Aus ihrer Sicht besonders ist immer wieder der überkonfessionelle Gebetsabend im Rathaus mit seiner lockeren Atmosphäre, aber auch der gut besuchte Abschlussgottesdienst stehe für den Zusammenhalt der Christen in der Stadt.
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